Marktplatz Kaiserslautern
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Marktplatz Kaiserslautern
Ein besonderes Treiben

In Kaiserslautern gibt es jährlich 156 Markttage: dienstags, donnerstags und samstags bieten Händler frisches Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Doch wie war das in früheren Zeiten? Wo sollten Märkte entstehen und wieso gibt es sie heute nicht mehr? Der „Marktplatz Kaiserslautern“ hat sich auf Spurensuche begeben.

von Gerhard Westenburger

 

Obst- und Gemüsemärkte gibt es seit es Städte gibt. Die Landbevölkerung ernährte sich von dem, was Garten und Feld hergaben. Sie versorgte, wie heute noch, als Erzeuger oder Händler, die städtischen Märkte. In den 1969 eingemeindeten Dörfern hat sich allerdings keine Markttradition entwickelt. Die städtischen Wochenmärkte sind heute Wirtschaftsfaktor mit hohem Umsatz. Sie sind Kommunikationszentren, und sie sind Spiegel der fetten und der mageren Jahre. In Kaiserslautern gibt es jährlich 156 Markttage: An 52 Dienstagen und an 52 Samstagen auf dem Stiftsplatz und an 52 Tagen ist Donnerstagsmarkt auf dem nicht offiziell benannten „Königsplatz“ in der Königstraße. Wie Marktmeister Dietmar Keller informiert, hat die Stadt mit 47 Händlern Verträge für den Stiftsplatzmarkt abgeschlossen und mit 15 Händlern Verträge für den Donnerstagsmarkt. Die Marktbeschicker kommen, laut Keller, wie von jeher, aus dem unmittelbaren Umland und aus der Vorderpfalz. Die Anwesenheit der Händler schwanke schon immer wetter- und saisonbedingt.

In Kaiserslautern etablierte sich die Markttradition um 1774. Die damalige Physikalisch-ökonomische Gesellschaft bestand 1771 darauf, dass die Stadt im Umfeld der heutigen Fruchthalle einen Fruchtmarkt genehmigte. Dieser Fruchtmarkt war nach heutigen Begriffen ein Großmarkt. Ohne diesen Markt wäre 1843 die Fruchthalle nicht gebaut worden. Neben diesem Großmarkt gab es, ebenfalls im Bereich der späteren Fruchthalle, einen bescheidenen, ungenügend ausgestatteten „Abendmarkt“, auf dem die Bürger nach Feierabend einkaufen konnten. Die Physikalisch-ökonomische Gesellschaft wollte diesen Markt aufwerten. Die Stadt lehnte ab, weil sie offensichtlich mit dem schon lange nur „geduldeten“ Abendmarkt schlechte Erfahrungen hinsichtlich der Händler und der angebotenen Waren gemacht hatte. Die Gesellschaft wandte sich daraufhin 1773 an die kurpfälzische Regierung. Die Stadt trug Bedenken vor. Gutachten wurden eingeholt.

Die kurpfälzische Regierung entschied und forderte am 28. Juni 1774 das Oberamt auf, in Kaiserslautern einen „Wochenmarkt“ einzurichten. Das war die Geburtsstunde des Lauterer Wochenmarkts. Das im Jahr 1571 von Kaiser Maximilian II. der Stadt verliehene Recht, jährlich zwei Märkte (Viehmärkte) abzuhalten – Maimarkt und Oktobermarkt gingen daraus hervor –, hat mit dem „Wochenmarktrecht“ dagegen nichts zu tun.

Der Wochenmarkt wurde seit der 1774er Regelung noch bis 1849 auf dem „Marktplatz“ vor der Stiftskirche und unter den Lauben der Häuser in der Marktstraße, in der heutigen Fußgängerzone, abgehalten. Die Marktstraße und der Marktbrunnen erinnern daran. Dieser Marktplatz wird in der Lauterer Geschichte im Jahr 1321 erstmals erwähnt. Mit wachsender Bevölkerung wurde der Markt umfangreicher. Die Stadt ließ alte Hospitalgebäude abreißen, die tieferliegenden Stiftsgärten auffüllen und gestaltete so den Stiftsplatz, wo seit 1850 der Wochenmarkt dienstags und samstags stattfindet. Einen herbstlichen Krautmarkt gab es noch bis 1905 auf dem Schillerplatz, und der Buttermarkt blieb bis 1912 auf dem alten „Marktplatz“ vor der Stiftskirche.

Bau einer Markthalle beschäftigt den Stadtrat über 55 Jahre. Die Möglichkeit eine Markthalle auf dem Stiftsplatz zu bauen, wurde in langen Auseinandersetzungen von 1869 bis 1924 im Rat zerredet. Streitpunkt war der genaue Standort. Sollte die Halle in der Mitte des Platzes entstehen, rechts oder links, auf der Südseite oder auf der Nordseite? Julius Gravius, ein in Zürich lebender Kaiserslauterer, hatte die Absicht der Stadt 600.000 Mark zum Bau einer Markthalle auf dem Stiftsplatz zu schenken. Er schien die Vorteile eines „überdachten Markts“ zu kennen, wie ehemals unter den Lauben der Marktstraße und wie der Fruchtmarkt seit 1846 in der Fruchthalle.

Obwohl sich die Stadträte über den Bau der Halle nicht einig wurden, überließ Gravius seiner Heimatstadt 600.000 Mark. Er machte allerdings zur Bedingung, ein „Wohnheim für ältere Damen“ zu bauen. So entstand das Graviusheim für 100.000 Mark. Die restlichen 500.000 Markt verwendete die Stadt 1925 zum Bau des Ausstellungsparks und der Ausstellungshallen, ehemals auf dem Gelände des heutigen Volksparks.

Der Donnerstagsmarkt entsteht Anfang der 1960er Jahre. Die Bürger der „Weststadt“, aus dem Bereich Pariser Straße/Kotten forderten Ende des 19. Jahrhunderts einen Markt in ihrem Umfeld. Sie wünschten sich einen Wochenmarkt auf dem „Fackelthorplatz“, dem späteren Fackelrondell. Die Stadt lehnte ab. Zur Gestaltung des Fackelthorplatzes hatte sie andere Pläne. Die Stadt wollte zunächst den damaligen Wittelsbacherplatz – heutiger Pfaffplatz - beleben. Sie kam jedoch den Bürgern entgegen und genehmigte dort einen Wochenmarkt. In den Jahren 1960/1961 gestaltete die Stadt den Platz um, und der Markt zog in die Königstraße. Die zwischen der Hartmannstraße und der Orffstraße zurückgenommene Bebauung – auch Königsplatz genannt – eignete sich als Marktplatz. Dort hatten, von der Stadt geduldet, schon seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg einige Händler ihre landwirtschaftlichen Produkte angeboten. Ab 1. August 1983 erhielt dieser Markt in der Königstraße offiziell den Namen „Donnerstagsmarkt“. Der offizielle Name des Stiftsplatzmarkts ist „Hauptmarkt“.

Pläne für Bännjerrück- und Stockhausmarkt scheitern. Die Stadt machte zwei weitere Versuche neue Märkte einzurichten. Beide scheiterten. Auf dem Bännjerrück mit mehreren tausend Einwohnern sollte Mitte der 1970er Jahre ein Obst- und Gemüsemarkt als Wochenmarkt entstehen. Der Markt auf einem Parkplatz bei der Leipziger Straße wurde 1977 wegen mangelnden Interesses eingestellt. Die mehr und mehr mobil gewordenen Bewohner zogen den Stiftsplatzmarkt und den Donnerstagsmarkt wegen des größeren Angebots vor. Zu Beginn der 1980er Jahre war die Altstadt saniert, sie war Wohn- und Geschäftsviertel in bester Innenstadtlage. So richtete die Stadt ab 4. März 1982 auf dem neu gestalteten Stockhausplatz einen kleinen Obst- und Gemüsemarkt ein. Die Nähe zum Stiftsplatz stellte sich als Fehler heraus. Der Stockhausmarkt lief schlecht. Ein „Handwerkermarkt“ sollte Betrieben Gelegenheit geben, sich zu präsentieren, und er sollte den kleinen Stockhaus- Gemüsemarkt ergänzen. Auch dieser Versuch scheiterte nach zwei Jahren.

Der Wochenmarkt sitzt in jedem Fall tief im Lauterer Bewusstsein: Brot, Butter, Eier, Fisch, Wurst und Fleisch, Obst und Gemüse sowie leergehamsterte Stände in den mageren Jahren sind Erinnerungen geworden.

 

Quelle

Ausgabe: Die Rheinpfalz Marktplatz Regional Kaiserslautern City - Nr. 21 Mittwoch, den 23. Mai 2018

 

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